Beethoven verbindet, auch die Alumni der Uni Passau in Brüssel

"Ich habe das Konzertprogramm so zusammengestellt, weil es eine außergewöhnliche Mischung ist aus lauter Extremen in Beethovens Musik und Karriere. Das 4. Klavierkonzert ist ein Wendepunkt in seiner Karriere, weil es das letzte Konzert war, was er in der Öffentlichkeit selbst gespielt hat", erklärt Ulrich Hauschild der musikalische Direktor des BOZAR in Brüssel. Wem und warum er das erklärt? Uli - wie wir ihn beim Stammtisch nennen - ist Alumni und im Ehemaligenverein der Uni Passau. Bei ihm zum Konzertabend im Kunsttempel BOZAR waren wir, 22 Brüssel-Stammtischler, am 4. Februar dieses Jahres zu Gast.

Als Ludwig van Beethoven am 22. Dezember 1808 im Theater in Wien das Programm aufführte, war es kalt im Saal und die Leute beschwerten sich über die Länge des Konzerts. Es war ein fast fünfstündiger Marathon damals, denn neben der fünften und sechsten Symphonie standen das vierte Klavierkonzert, die Choralfantasie und einige Sätze der Messe in C-Dur auf dem Programm. Am 4. Februar in Brüssel hat sich niemand über das Programm oder deren Länge beklagt, im Gegenteil: das knappere Format mit dem Balthasar-Neumann-Chor und -Ensemble, dem Pianisten Kristian Bezuidenhout und Dirigent Thomas Hengelbrock hätte noch Stunden so weitergehen können, keiner der anwesenden Alumni der Uni Passau im gemütlichen Saal Henry Le Boeuf im BOZAR in Brüssel hätte auch nur einen Mucks gemacht. Alle waren sich einig: "Dieses Programm übertraf sämtliche Erwartungen."

Zu verdanken hat der musikalische Stammtisch diesen grandiosen Abend unserer Alumni und Stammtischveranstalterin Tanja Selmayr und Ulrich Hauschild. Er hatte das Ensemble nach Brüssel eingeladen. Gleich zu Beginn erzählte uns Uli Anekdoten, die die anderen Gäste an diesem Abend sicher nicht erfahren haben: Beethoven sei beim vierten Klavierkonzert schon fast taub gewesen und das habe damals zu wüsten Gerüchten geführt, zum Beispiel dass man hinter Beethovens Rücken einen zweiten Dirigenten installiert hatte, um im gleichen Rhythmus zu spielen. Zur Choralfantasie wusste Uli, dass man diese auch die "kleine Neunte" nenne, weil Beethoven dort die erste Skizze zur Ode an die Freude, also den letzten Satz der neunten Symphonie, bereits komponiert und vorweggenommen hat. "Ihr werdet die Melodie sofort erkennen, weil man einen herrlichen Wiedererkennungseffekt hat", so Uli.

Mit all dem Wissen im Kopf, war das eigentliche Konzert nach der Einführung von Uli ein doppelter Genuss. Das außergewöhnliche Klavierspiel des Südafrikaners Kristian Bezuidenhout an einem nachgebauten historischen Instrument von Karl Conrad Graf aus Wien von 1822 sorgte dafür, dass die Stammtischler selbst in der Pause an der VIP-Bar des Bozar noch ein wenig weiterträumten. Ausklingen ließen sie den Abend in der Bozar-Brasserie - natürlich mit Plänen für den nächsten musikalischen Stammtisch.

Uta Neumann

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