"Sehr geehrte Mitglieder, verehrte Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter der Universität Passau,

mit dem ersten Wort als neuer Präsident der Universität Passau spreche ich meinen großen Dank aus. Verwaltung, Lehrende, Studierende, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen derzeit zusammen, um den Betrieb unserer Universität aufrecht zu erhalten. Auf dem Campus werden alle nötigen Funktionen gesichert und das Homeoffice bewährt sich als Rückendeckung für viele Prozesse. Jede Hilfestellung, die Sie derzeit gewähren, wirkt lebensrettend, weil die Verbreitung des Virus verlangsamt wird. Ihr aller Tun hat eine unmittelbar existentielle Bedeutung. Bitte lassen Sie uns alle gemeinsam leisten und bewältigen, was nun noch direkt vor uns liegt. Es ist die Grundlage für alles „danach“.

Die kommenden Wochen werden verstärkt durch die Pandemie geprägt sein. Sie berührt das gemeinschaftliche Leben und alle privaten Lebensläufe tief. Die Universität Passau leistet ihren Beitrag zur Bewältigung der Krise. Wir werden dafür Sorge tragen, dass Lehre und Forschung stattfinden können und die Planungen für eine „Nach-Corona-Zeit“ verfolgt werden. Wissenschaft ist „systemrelevant“. Ein laufender Universitätsbetrieb ist ein Beitrag zur Sicherung unserer freiheitlichen Gesellschaft. Der bestens bewährte Krisenstab unter der souveränen Leitung von Kanzler Dr. Dilling wird unsere Maßnahmen weiterhin erfolgreich koordinieren. Alle Mitglieder der Universität bringen ihren Beitrag ein. Es ist unsere selbstverständliche Pflicht, mit unseren Möglichkeiten partnerschaftlich zu helfen, wo Hilfe nottut. Dies gilt nach innen und dies gilt nach außen. Und dies gilt für den neuen Präsidenten und das Team der neuen Hochschulleitung.

An die neue Leitung der Universität werden Erwartungen geknüpft. Wir wollen mit der Universität neu aufbrechen, um exzellente Forschung und begeisternde Lehre weiterzuentwickeln. In den letzten Wochen sind wir bereits in einen intensiven Beratungsprozess eingetreten, der den Übergang zur Erneuerung unter Wahrung des Bewährten vorbereitet. Unser Team repräsentiert daher Kontinuität und Veränderung gleichermaßen.

Die Koordinationsarbeit im Bereich Lehre und Studium durch die neue zuständige Vizepräsidentin Professorin Dr. Christina Hansen ist bereits sehr sichtbar. Hier gelingt auch eine fruchtbare Abstimmung mit der bisherigen Vizepräsidentin Prof.in Dr. Daniela Wawra. Kollegin Hansen wird auch das Aufgabenfeld „Diversity“ verantwortlich weiterentwickeln und damit an die erfolgreiche Aufbauarbeit von Vizepräsident Prof. Dr. Jörg Fedtke anschließen. Wir streben gemeinsam eine verstärkte Form der Einbindung studentischer Kompetenz in Entscheidungsprozesse an.

Mit Vizepräsident Prof. Dr. Robert Obermaier übernimmt ein erfahrener Kollege das Ressort Forschung, das er bereits im Team des damaligen Präsidenten Prof. Dr. Burkhard Freitag verantwortete. Er folgt in diesem Amt Vizepräsident Prof. Harry Haupt, dem er dieses Ressort seinerseits vor sechs Jahren übergeben hat. Insbesondere der wissenschaftliche Nachwuchs, das Graduierten- und das Transferzentrum sind bei ihm in bewährten Händen. Der Attraktivität der Universität als Ort exzellenter Forschung sowie der Profilbildung durch gesellschaftlich relevante Forschungsschwerpunkte bei Wahrung der Freiheit der Forschung wird unsere besondere Aufmerksamkeit gehören.

Für die Vizepräsidentschaft mit dem Schwerpunkt Internationales haben wir Prof. Dr. Dennis Solomon gewonnen. Er beendet seine Tätigkeit als Sprecher des Senats und stärkt mit seiner hochschulpolitischen Erfahrung die Hochschulleitung. Kollege Solomon wird alle Fragen der Internationalisierung bündeln und insbesondere unsere Zielsetzung einer Profilierung als „Europa-Universität“ verfolgen. Wir sehen uns gerade unter den Vorzeichen der Krise als besonders gefordert, den europäischen Gedanken zu stärken.

Das Ressort für Akademische Infrastruktur und IT bleibt in den Händen von Vizepräsident Prof. Dr. Harald Kosch. Damit ist eine direkte Fortsetzung der bisherigen Leitungsarbeit der Universität gesichert. Zugleich darf sich die Hochschulleitung damit auf ein Mitglied stützen, das insbesondere in der bayerischen Hochschulpolitik auf erfolgreiche Mitwirkung verweisen kann. Die künftige Stärkung der IT-Bereiche in der Universität durch eine enge Kooperation und Abstimmung aller Fakultäten untereinander wird hier unsere Aufgabe sein – während und nach der Krise. Die Digitalisierung wird uns als ein Kernthema beschäftigen.

Diese Universitätsleitung wird durch einen Beauftragten für Qualitätssicherung und Systemakkreditierung verstärkt. Dies ist ein Novum, das von einem erfahrenen Kollegen umgesetzt wird. Prof. Dr. Werner Gamerith war bereits als Dekan der Philosophischen Fakultät und als Vorsitzender des Senats mit übergreifenden Fragen der Universitätspolitik betraut. Zugleich liegt auch die Fortentwicklung einer Nachhaltigen Universität in seiner Zuständigkeit. Mit ihm werden wir die interne Differenzierung und Vernetzung als eine wesentliche Stärke der Universität Passau ausbauen.

Mit diesem Team und zugleich mit Ihnen allen werde ich für eine gute Entwicklung der Universität Passau arbeiten. Unsere Universität steht in der Verantwortung, auf der Basis ihrer Autonomie an der Gestaltung unseres freiheitlichen Gemeinwesens aktiv mitzuwirken. Diese Verantwortung besteht in der Krise und sie gilt umso mehr für die Zeit nach der Krise. Sie ist unserer Freiheit geschuldet.

Freiheit ist eine Grundbedingung von Forschung, Lehre und Studium in unserem Land. Auf dem Fundament der Freiheit werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schöpferisch tätig. Neues Wissen und neue Möglichkeiten und Anwendungen werden so geschaffen. Wissenschaft verändert die Welt und die Universitäten sind besondere Orte für Innovation und Fortschritt. Die Universität Passau ist unser Ort der Möglichkeiten für eine Weltveränderung zum Guten und Besseren. Freiheit der Wissenschaft ist nicht bedingungslos. Ihre Sicherung geschieht durch die freiheitliche Ordnung einer Gesellschaft, die sich dazu bekennt und verpflichtet. So findet die freie Wissenschaft ihre eigene Verpflichtung vor. Sie trägt Verantwortung für die Folgen ihres Handelns. Was Wissenschaft tut oder lässt, kann als Beitrag zur Bewahrung und Verbesserung der Lebensbedingungen unserer Gesellschaft beurteilt werden. Freiheit der Universität ist grundgelegt in einem Verständnis hochschulischer Autonomie. Sie ist rechtlich geschützt und gibt der Universität und ihren Mitgliedern ganz besondere selbstbestimmte Räume für eigenverantwortliches Handeln. In der Verantwortung für die Welt und für die Menschen muss und darf eine Universität deshalb nicht auf „Rettung“ von außen warten und sich auf externe Anregungen beschränken. Als Universität Passau müssen wir uns in der aktuellen Lage unserer Herausforderung unmittelbar stellen.

Ich werbe dafür um Ihr aller Vertrauen. Die Universität lebt durch Ihre Initiative und Ihre Begeisterung. Ihre Mitgestaltung der Universität Passau will ich durch meinen Dienst fördern und stärken. Mein Bestreben ist, schnell mit den Gremien und Einheiten, mit Ihnen allen in Kontakt zu kommen. Senat, Dekane, Studiendekane, Studierende, Forschende und Lehrende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die universitätsnahen Netzwerke, nicht zuletzt der Universitätsrat – sie alle will ich persönlich ansprechen. Dafür wird hoffentlich bald die Zeit kommen und ich werde sie dann nutzen. Und selbstverständlich freue ich mich auf Ihrer aller Kontaktaufnahme! Ich will hören und lernen, was diese Universität bewegt.

Im Geiste gegenseitigen Vertrauens, respektvoller Wertschätzung und persönlicher Achtsamkeit will ich für die exzellente Entwicklung der Universität Passau arbeiten. Ein offener kritischer Dialog soll unsere Universität als Forum des fruchtbaren Streites um die besten Ideen auszeichnen. Helfen wir zusammen, dass es gelingt.

Wenn ich heute das Amt des Präsidenten der Universität Passau übernehme, danke ich der vormaligen Präsidentin Prof. Dr. Carola Jungwirth und ihrem Team für den geleisteten Dienst: Ich wünsche Ihnen für Ihren weiteren Weg das Beste und Gottes Segen. Es freut mich sehr, wenn mit Ihnen allen eine gute weitere Zusammenarbeit gelingt. Ihre Erfahrungen sind wertvoll. Uns allen wünsche ich heute, dass die vor uns liegenden gemeinsamen sechs Jahre fruchtbare, verantwortungsvolle und auch fröhliche Zeiten bergen mögen.

Lassen Sie uns die Freiheit der Wissenschaft für die Entwicklung des Guten und des Besseren nutzen und zur Erhaltung der Freiheit in unserer Gesellschaft verantwortungsvoll beitragen. Sorgen wir dafür, dass Studieren, Lehren, Forschen und Arbeiten in Passau unser Leben bereichert."
Prof. Dr. Ulrich Bartosch, Präsident der Universität Passau
(Foto: PNP)

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