Benjamin Schmäling hat von 2004 bis 2010 an der Universität Passau KuWi mit Frankophonen Kulturraum sowie Lehramt Gymnasium mit der Fächerkombination Deutsch und Französisch studiert. Wie ihn sein Karriereweg nach Jordanien geführt hat und was Benjamin an seinem Beruf als Leiter der DAAD Außenstelle Jordanien besonders spannend findet, erfährst Du hier!

Wenn ich an meine Zeit in Passau zurückdenke, denke ich an…
…den schönen Campus direkt am Inn, heiße Sommer am Ilzstausee und kalte Winter auf dem Weihnachtsmarkt am Dom, die Camera und das ProLi, viele tolle studentische Initiativen, internationales Flair, Mountainbiken im Bayerischen Wald,… und natürlich die eine oder andere spannende Vorlesung!

Was ist Dein Karrieretipp für die Zeit während und nach dem Studium?
Man braucht nicht unbedingt ein klares (Karriere-)Ziel, sondern vor allem die innere Überzeugung, das Richtige zu tun. Gepaart mit einem guten Netzwerk und etwas Glück führt das am ehesten zu beruflichem Erfolg und Zufriedenheit.

Was hast Du aus dem Studium für Deinen beruflichen Werdegang mitgenommen?
Die Fähigkeit, Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und den eigenen Standpunkt zu relativieren. Ganz viel Wissen über Frankreich. Vielseitige Möglichkeiten sich für alles Erdenkliche zu engagieren. Und auf jeden Fall die exzellente Sprachausbildung an der Uni Passau.

Hast Du ein Semester im Ausland verbracht? Was waren Deine Erfahrungen? Tipps?
Ja, ich habe ein fantastisches Jahr in Paris verbracht. Es war in jeder Hinsicht ein Kontrastprogramm zu Passau, nicht nur wegen der Stadt an sich, sondern auch wegen der anderen Art des Studierens, der Leute und der neuen kulturellen Umgebung. Beinahe wäre ich dortgeblieben, und habe mich in letzter Minute doch dafür entschieden, mein Studium in Passau fortzusetzen – um drei Jahre später mit Diplom und Staatsexamen in der Tasche wieder nach Frankreich aufzubrechen, wo ich dann über fünf Jahre gelebt und gearbeitet habe. Einen Auslandsaufenthalt, egal ob für Studium, Praktikum oder etwas ganz Anderes, kann ich jedem nur ans Herz legen. Es ist nicht nur ein Plus im CV, sondern vor allem eine große persönliche Bereicherung. Ein wenig bereue ich es, während des Studiums (abgesehen von einem Praktikum in Indien) nicht mehr Zeit in einem „exotischeren“ Land verbracht zu haben. Wahrscheinlich lebe ich deshalb inzwischen in Jordanien.

Was hast Du nach Deinem Abschluss an der Uni Passau seitdem beruflich gemacht?
Nach meinem Diplom-Studium an der Uni Passau habe ich erst einmal mein Staatsexamen an der Uni Erlangen-Nürnberg abgeschlossen. Danach war die Sehnsucht nach Frankreich deutlich größer als der Wunsch, das Referendariat zu machen, und ich hatte das Glück, über den DAAD auf ein Lektorat für Deutsch als Fremdsprache an die Uni Lille vermittelt worden zu sein. Zwei Jahre später ergab sich ein spannendes Jobangebot in Paris, über das ich den DAAD als Arbeitgeber näher kennenlernte. Nach fünf Jahren in Frankreich und einer anschließenden Auszeit mit Reisen durch Nord- und Südamerika und einem beruflichen Abstecher nach Marokko bin ich nach Deutschland zurückgekehrt, wo ich, wie es der Zufall wollte, wieder beim DAAD gelandet bin, zunächst als Projektmanager im Bereich Lehrerausbildung, dann als Referatsleiter für transnationale Bildungsprojekte in Nahost, Afrika und Lateinamerika. Schon in diesem Zusammenhang hatte ich sehr viel mit Jordanien zu tun, wo ich seit Anfang Februar (endlich) lebe und die neu gegründete Außenstelle des DAAD leite.

Welche Aufgaben hast Du als Leiter der Außenstelle des DAAD in Jordanien?
Die Außenstelle macht letztendlich das, was der DAAD im Großen macht, im Kleinen und für die jeweilige Region. Das heißt im Fall von Jordanien, dass wir regionale Stipendienprogramme betreuen, z.B. für jordanische Studierende und Geflüchtete aus Syrien, um ihnen ein Hochschulstudium, einen Aufenthalt in Deutschland oder einen PhD zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang machen wir sehr viel Beratungsarbeit, vernetzen uns mit den Akteuren vor Ort, also Hochschulen, Ministerien, NGOs usw. und kümmern uns um die finanzielle Abwicklung. Wir sind außerdem erster Ansprechpartner für die Anbahnung von Hochschul- und Forschungskooperationen und weiten unsere Aktivitäten gerade Richtung Libanon und Irak aus. Meine Aufgabe ist dabei, das Team zu leiten, alle Fäden zusammenzuhalten, neue Partner zu finden, eine Strategie für die Region zu entwickeln und umzusetzen, und vieles mehr.

Was ist das Besondere an Deinem Beruf?
Besonders spannend finde ich gerade die Ausweitung unserer Aktivitäten in Libanon und Irak, wo ein großes Interesse und sehr viel Potenzial für Hochschulkooperationen bestehen. Allgemein schätze ich sehr die Vielfalt der Aufgaben und die Tatsache, dass man vor Ort und damit ganz nah am Geschehen ist. Und der Nahe Osten ist natürlich in vielerlei Hinsicht eine sehr interessante Region!

Du lebst seit kurzem in Jordanien, welche neuen Herausforderungen haben Dich hier erwartet?
Die größte Herausforderung besteht im Moment darin, sich in Zeiten der Kontaktbeschränkungen und des begrenzten öffentlichen Lebens ein Netzwerk aufzubauen – beruflich wie privat. Es fehlen einfach die Gelegenheiten, sich zu treffen, und der Alltag hat, wie überall, zu wenig Zufälliges. Dennoch fühle ich mich hier sehr wohl und willkommen. Und freue mich auf die spannende Aufgabe, die Hochschulbeziehungen zwischen Deutschland, Jordanien, Libanon und Irak weiter auszubauen.

Warum bist Du Mitglied im Alumni Club?
Schwer zu sagen, ich bin erst seit einigen Wochen Mitglied und kann das bislang schlecht beurteilen. Ich finde die Vernetzung zwischen ehemaligen und aktuellen Studierenden aber grundsätzlich sehr wichtig, und natürlich auch die Verbindung zur eigenen Uni. Das habe ich lange vernachlässigt, und als ich über LinkedIn von den Aktivitäten des AlumniClubs erfahren habe, bin ich spontan Mitglied geworden.

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